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Bewerbung

Der Lebenslauf in der Pädagogik

Ein pädagogischer Lebenslauf wird anders gelesen als ein kaufmännischer: Es wird nach Arbeitsfeld, Altersgruppe und Gruppengröße gesucht, nicht nach Aufstieg. Wie die Stationen zu beschreiben sind, wo Lücken hingehören und was am Ende nachweisbar sein muss.

7 Min. Lesezeit von Steven Schulz

Ein Lebenslauf wird in diesem Feld von einer Person gelesen, die gleich nach zwei Dingen sucht: nach dem Abschluss und nach der Frage, ob Sie die Arbeit kennen, um die es in dieser Stelle geht. Beides steht in einem üblichen tabellarischen Lebenslauf entweder gar nicht oder an der falschen Stelle. Dieser Text beschreibt, wie die Stationen aufgebaut werden, damit eine Leitung in zwei Minuten weiß, ob sie einlädt – und was danach beim Nachweis halten muss.

Was gesucht wird, ist nicht der Aufstieg

In vielen Branchen erzählt ein Lebenslauf eine Entwicklung: mehr Verantwortung, größere Einheit, höhere Position. In der Erziehung und der Sozialen Arbeit ist die Frage eine andere. Gesucht wird, ob Sie mit dieser Altersgruppe, in diesem Arbeitsfeld und unter diesen Bedingungen gearbeitet haben.

Drei Jahre Krippe und drei Jahre Hort sind zwei verschiedene Berufserfahrungen, auch wenn beide „Erzieherin in einer Kindertagesstätte" heißen. Eine Wohngruppe mit Nachtdiensten hat mit einer Kita fast nichts gemeinsam außer dem Abschluss, der beides erlaubt. Wer das in seinem Lebenslauf nicht sichtbar macht, wird als allgemeine Fachkraft gelesen und gegen jemanden verglichen, dessen Stationen genau passen.

Der Kopf: Abschluss, Anerkennung, Verfügbarkeit

Nach den Kontaktdaten gehört eine kurze Zeile, die drei Angaben nennt: die genaue Bezeichnung Ihres Abschlusses, das Land und Jahr, in dem er erteilt wurde, und ab wann Sie mit wie vielen Stunden zur Verfügung stehen. Das ist keine Zusammenfassung im Sinne eines Profils, sondern die Auskunft, die eine Personalstelle als erste braucht.

Schreiben Sie die Bezeichnung so, wie die Urkunde sie führt – „Staatlich anerkannte Erzieherin", „Bachelor of Arts Kindheitspädagogik", „Staatlich anerkannter Heilerziehungspfleger". Verkürzungen wie „Erzieherin (Fachschule)" verschenken genau die Angabe, auf die es ankommt; warum, steht unter staatliche Anerkennung. Steht die Anerkennung noch aus, schreiben Sie den Stand hin: fachschulischer Teil abgeschlossen, Berufspraktikum von wann bis wann.

Die Berufserfahrung: Arbeitsfeld statt Titel

Jede Station braucht vier Angaben, und zwar in dieser Reihenfolge: Zeitraum, Einrichtung mit Träger, Funktion, und darunter zwei bis vier Zeilen zur Arbeit selbst. Die letzte Zeile ist die, auf die es ankommt, und sie besteht nicht aus Eigenschaften.

Nennen Sie die Altersgruppe, die Gruppenform und die Größe – Krippengruppe, altersgemischte Gruppe, Hortgruppe, Wohngruppe mit sieben Plätzen. Nennen Sie den Anteil, den Sie tatsächlich verantwortet haben: Zweitkraft, Gruppenleitung, Gruppenleitung in Vertretung. Und nennen Sie die Aufgaben, die über den Gruppendienst hinausgingen, sofern es welche gab: Anleitung von Praktikanten, Eingewöhnungen nach einem bestimmten Modell, Entwicklungsdokumentation, Elterngespräche, ein Konzeptbereich, die Mitarbeit an einem Schutzkonzept.

Was dagegen nicht in eine solche Zeile gehört, sind Zuschreibungen. „Teamfähig", „belastbar", „liebevoller Umgang" sind in diesem Feld so allgemein, dass sie als Füllmaterial gelesen werden. Eine Leitung, die wissen will, ob Sie belastbar sind, fragt nach einer Situation – und die kann sie nur fragen, wenn eine Tätigkeit dasteht, an der sie ansetzen kann.

Zwei Fassungen derselben Station

Der Unterschied lässt sich an einem Beispiel zeigen. Die erste Fassung ist die verbreitete:

09/2021 – 08/2024, Kindertagesstätte Sonnenweg, Erzieherin. Betreuung und Förderung der Kinder, Elternarbeit, Teamarbeit.

Diese drei Halbsätze stehen so oder ähnlich in jeder zweiten Bewerbung. Sie sagen nichts, was nicht schon in der Berufsbezeichnung steht. Die zweite Fassung nennt dieselbe Stelle:

09/2021 – 08/2024, Kindertagesstätte Sonnenweg (Träger: Kommune), Erzieherin, ab 2022 Gruppenleitung. Altersgemischte Gruppe mit 22 Kindern von zwei bis sechs Jahren, Dienst im Frühdienst und im Spätdienst. Eingewöhnungen nach dem Berliner Modell, Entwicklungsdokumentation und Entwicklungsgespräche, Anleitung von zwei Praktikantinnen der Fachschule, Mitarbeit an der Fortschreibung des Schutzkonzepts.

Die zweite Fassung ist kaum länger und beantwortet fünf Fragen, die sonst im Gespräch gestellt werden müssten. Sie liefert außerdem die Anknüpfungspunkte, an denen eine Leitung nachfragt – und ein Gespräch, in dem über Ihre Arbeit gesprochen wird, verläuft günstiger als eines, in dem über Ihre Eigenschaften gesprochen wird.

Praktika, Anerkennungsjahr und Nebentätigkeiten

Beim Berufseinstieg sind die Praktika die Berufserfahrung, und sie gehören entsprechend ausführlich behandelt. Nennen Sie bei jedem die Einrichtungsart, die Dauer, die Altersgruppe und wenigstens eine Aufgabe, die Sie eigenständig übernommen haben. Das Berufspraktikum – je nach Land Anerkennungsjahr oder praxisintegrierter Ausbildungsteil – steht dabei oben und nicht unter „Praktika": es ist ein Ausbildungsabschnitt mit Anleitung und Beurteilung und wird von Trägern entsprechend gewertet.

Nebentätigkeiten, die in dieses Feld führen, sind keine Verlegenheit, sondern ein Argument. Schulbegleitung, Ferienbetreuung, Hausaufgabenhilfe, ein Freiwilligendienst, Gruppenarbeit in einem Verband, Nachtbereitschaften während des Studiums – das alles ist nachweisbare Arbeit mit Kindern oder Jugendlichen und sagt mehr aus als jedes Adjektiv. Wer aus einem anderen Beruf kommt, nennt zusätzlich, was übertragbar ist: Schichtdiensterfahrung, Arbeit mit Angehörigen, Dokumentationspflichten, Führerschein.

Fortbildungen: wenige, benannte, mit Umfang

Eine lange Liste besuchter Tage wirkt in diesem Feld nicht als Qualifikation, sondern als Aufzählung. Brauchbar sind Fortbildungen, die eine Aufgabe erklären, die Sie übernehmen könnten – und dann mit Titel, Anbieter, Jahr und Umfang.

Vier Sorten werden regelmäßig beachtet: Kinderschutz und das Verfahren bei Anhaltspunkten für eine Kindeswohlgefährdung, Sprachbildung und Sprachförderung, ein benanntes Eingewöhnungs- oder pädagogisches Konzept, sowie Erste Hilfe am Kind mit Datum. In der Eingliederungshilfe und in der Jugendhilfe treten andere an ihre Stelle: Unterstützte Kommunikation, Deeskalation, traumapädagogische Grundlagen, Hilfeplanung. Zwei bis fünf benannte Fortbildungen wirken stärker als fünfzehn ungeordnete, weil sie eine Richtung erkennbar machen.

Der Umfang gehört dazu, und zwar nicht aus Genauigkeitsliebe: Ein Nachmittag und eine zweijährige berufsbegleitende Weiterbildung heißen im Lebenslauf beide „Fortbildung", und wer den Unterschied nicht hinschreibt, wird zur kleineren der beiden Möglichkeiten gerechnet. Längere Weiterbildungen mit Abschluss – Fachwirt, Heilpädagogik, eine Zusatzqualifikation zur Praxisanleitung – gehören nicht unter Fortbildungen, sondern zur Ausbildung; welche Wege es gibt, steht unter Weiterbildungen nach der Ausbildung.

Lücken, Wechsel und Elternzeit

Lücken sind in diesem Feld weniger erklärungsbedürftig als in anderen, aber sie müssen benannt sein. Elternzeit, Pflege eines Angehörigen, eine Ausbildung, die abgebrochen wurde, eine längere Erkrankung, ein Auslandsaufenthalt: eine Zeile mit Zeitraum und Grund genügt, und sie nimmt die Frage aus dem Gespräch heraus. Ein unerklärtes halbes Jahr wird dagegen zuverlässig zum ersten Punkt der Tagesordnung.

Zur Elternzeit eine Bemerkung, weil die Frage häufig gestellt wird: Sie ist ein gesetzlicher Anspruch, sie ist in diesem Feld der Normalfall und sie braucht keine Rechtfertigung. Eine Zeile mit Zeitraum genügt. Wer währenddessen in geringem Umfang gearbeitet hat oder eine Fortbildung besucht hat, kann das nennen; wer es nicht getan hat, lässt es weg, ohne etwas zu erklären.

Häufige Wechsel werden in der Kita und in der Jugendhilfe anders bewertet als in anderen Branchen – viele Stellen sind befristet, projektfinanziert oder an eine Bewilligung gebunden. Schreiben Sie in solchen Fällen den Grund an die Station: „Befristung wegen Elternzeitvertretung", „Ende der Projektfinanzierung", „Bewilligungsende in der Schulbegleitung". Was hinter diesen Befristungen steht, ist unter Befristung im Sozialbereich beschrieben und bei der Schulbegleitung unter Schulbegleitung als Weg.

Was am Ende nachweisbar sein muss

Alles, was im Lebenslauf steht, wird spätestens bei der Einstellung mit Papier belegt. Legen Sie deshalb nur Angaben hinein, die Sie halten können, und sammeln Sie die Nachweise vorher ein: Abschlusszeugnis und Anerkennungsurkunde, Arbeitszeugnisse oder wenigstens Bescheinigungen über Zeitraum und Tätigkeit, Fortbildungsnachweise, der Nachweis zur Ersten Hilfe.

Zwei Nachweise kommen dazu, die es in anderen Branchen nicht gibt: ein erweitertes Führungszeugnis und, für nach dem 31. Dezember 1970 geborene Personen, der Masernschutznachweis. Beide gehören nicht in den Lebenslauf, aber Sie sollten vor der Bewerbung wissen, wie Sie sie beschaffen – Einzelheiten unter Führungszeugnis und Masernschutz.

Form, Länge und der Rest der Unterlagen

Zwei Seiten sind die Obergrenze, beim Berufseinstieg reicht eine. Umgekehrt chronologisch, ohne Lücken in der Zeitleiste, als PDF mit einem Dateinamen, der Ihren Namen enthält. Ein Foto ist nicht verlangt und keine Voraussetzung; in diesem Feld ist es verbreitet und schadet nicht, wenn es ein gewöhnliches, freundliches Porträt ist.

Ein Punkt, der im Alltag über mehr entscheidet als die Gestaltung: Schneiden Sie den Lebenslauf auf die Stelle zu, aber nur in der Gewichtung und nie in den Tatsachen. Bewerben Sie sich in einer Krippe, stehen die Krippenzeiten mit mehr Zeilen da als der Hort; bewerben Sie sich in einer Wohngruppe, treten die Erfahrungen mit Schichtdienst, Krisensituationen und Dokumentation nach vorn. Was bleibt, sind dieselben Stationen mit denselben Zeiträumen. Ein Lebenslauf, der von Bewerbung zu Bewerbung andere Zeiten nennt, fällt spätestens beim Zeugnis auf.

Was in das Anschreiben gehört und in welcher Reihenfolge, steht unter Bewerbung als pädagogische Fachkraft; worauf ein Hospitationstag hinausläuft, unter Vorstellungsgespräch und Hospitation. Und bevor Sie den Lebenslauf zuschneiden, lohnt der Blick darauf, welche Arbeitsfelder überhaupt suchen: die offenen Stellenangebote geben den Überblick, die Stellen als Erzieherin und Erzieher den engeren Ausschnitt.

Wenden Sie das direkt an: Im Stellenmarkt stehen Anzeigen aus ganz Deutschland, und zu jedem Beruf finden Sie die Aufgaben und die üblichen Gehälter daneben.

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