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Karriere

Kita-Leitung werden: der Schritt aus der Gruppe

Die Leitung einer Kindertageseinrichtung ist kein größerer Gruppendienst, sondern ein anderer Beruf. Was verlangt wird, warum die Freistellung über alles entscheidet und welche acht Punkte vor der Zusage geklärt sein müssen.

7 Min. Lesezeit von Steven Schulz

Der häufigste Irrtum über die Leitung einer Kindertageseinrichtung lautet, sie sei die nächste Stufe derselben Arbeit. Sie ist es nicht. Eine Leitung arbeitet nicht mehr überwiegend mit Kindern, sondern mit Erwachsenen, mit Zahlen, mit Behörden und mit Konflikten. Wer den Schritt geht, weil er die pädagogische Arbeit liebt, wird regelmäßig unglücklich; wer ihn geht, weil er ein Haus gestalten will, findet die interessanteste Aufgabe, die dieses Feld zu vergeben hat. Dieser Text beschreibt, was verlangt wird, was die Arbeit tatsächlich ausmacht und was vor einer Zusage geklärt sein muss.

Was formal verlangt wird

Die Voraussetzungen stehen in den Kita-Gesetzen und Personalverordnungen der Länder und unterscheiden sich. Drei Bestandteile tauchen fast überall auf: eine Qualifikation, die im Fachkraftkatalog des Landes steht; Berufserfahrung in einem Umfang von in der Regel mehreren Jahren; und, häufig gestaffelt nach Größe der Einrichtung, eine zusätzliche Leitungsqualifikation oder ein einschlägiges Studium.

Bei größeren Einrichtungen verlangen viele Träger einen Hochschulabschluss oder bevorzugen ihn deutlich – Kindheitspädagogik, Soziale Arbeit, Sozialmanagement. Bei kleineren Häusern genügt in der Regel die Fachkraftqualifikation mit Erfahrung und einer Leitungsweiterbildung; welche das sind, steht unter Weiterbildungen nach der Ausbildung.

Die verbindliche Auskunft darüber, was in Ihrem Land für eine Einrichtung dieser Größe verlangt wird, gibt die für die Betriebserlaubnis zuständige Behörde – nicht der Träger, der gerade sucht.

Was die Arbeit tatsächlich ausmacht

Sieben Felder, und keines davon steht in der Stellenanzeige an erster Stelle.

Personal. Dienstplan, Urlaubsplanung, Ausfallmanagement, Einstellungsgespräche, Einarbeitung, Jahresgespräche, Konflikte im Team, Krankenrückkehr, manchmal Abmahnung und Trennung. Das ist der größte Anteil, und es ist der, auf den niemand vorbereitet wird.

Träger und Aufsicht. Berichte, Belegungsmeldungen, Anträge, Zusammenarbeit mit der Fachberatung, die Betriebserlaubnis und ihre Auflagen, Meldungen an die Erlaubnisbehörde bei besonderen Vorkommnissen.

Eltern. Aufnahmegespräche, Beschwerden, Elternbeirat, Gespräche, die im Gruppenraum nicht mehr zu lösen sind, gelegentlich Konflikte, die eskalieren.

Kinderschutz. Die Leitung ist der Knotenpunkt jedes Verfahrens im Haus, führt das Schutzkonzept fort und entscheidet über die Einbeziehung von Beratung und Jugendamt – siehe Schutzauftrag und Kinderschutz.

Fachliche Steuerung. Konzeption, Qualitätsentwicklung, Fortbildungsplanung, Einführung neuer Verfahren, Begleitung von Auszubildenden und Praxisanleitung.

Verwaltung und Zahlen. Belegung, Abrechnung, Budget für Material und Fortbildung, Beschaffung, Gebäude und Mängelmeldungen.

Und die Gruppe. In den meisten Häusern arbeitet die Leitung zusätzlich im Gruppendienst – womit das entscheidende Thema erreicht ist.

Die Freistellung entscheidet über alles

Leitungszeit ist die Arbeitszeit, die für Leitungsaufgaben zur Verfügung steht und in der Sie nicht im Gruppendienst eingeplant sind. Wie viel davon vorgesehen ist, regeln die Länder unterschiedlich – teils als Kontingent nach Zahl der Kinder oder Gruppen, teils gar nicht; darüber hinaus entscheidet der Träger.

Dieser eine Punkt bestimmt, ob die Stelle machbar ist. Eine Leitung mit zu wenig Freistellung macht die Leitungsarbeit abends und am Wochenende, und zwar dauerhaft. Genau daran scheitern Leitungen, nicht an der Aufgabe.

Klären Sie deshalb vor der Zusage drei Zahlen und lassen Sie sie sich schriftlich geben: wie viele Wochenstunden Freistellung vorgesehen sind, wie mit dieser Freistellung bei Personalausfall verfahren wird, und wer die Leitung vertritt, wenn sie ausfällt. Die zweite Frage ist die wichtigste: In vielen Häusern ist die Leitungszeit die Reserve, aus der Krankheitsausfälle gedeckt werden – und dann gibt es sie faktisch nicht. Der Zusammenhang mit der Personalausstattung steht unter Personalschlüssel und Fachkraft-Kind-Relation.

Der Rollenwechsel im eigenen Team

Der häufigste Weg in die Leitung führt aus dem eigenen Haus, und das ist zugleich der schwierigste. Sie leiten Menschen, mit denen Sie gestern in derselben Gruppe standen, deren private Lage Sie kennen und mit denen Sie Pausen verbracht haben.

Drei Dinge helfen. Erstens: den Wechsel ausdrücklich benennen, in einer Teamsitzung, mit dem Satz, dass sich etwas ändert und was. Zweitens: die eigene Rolle in Konflikten neu bestimmen – eine Leitung ist nicht mehr Partei, und sie kann nicht mehr über Dritte mitsprechen. Drittens: sich außerhalb des Hauses jemanden suchen, mit dem man über die Arbeit sprechen kann. Leitungen sind in ihrer Einrichtung allein, und das ist keine Empfindsamkeit, sondern eine Beschreibung der Stelle; Supervision und Leitungsrunden sind dafür da, siehe Seelische Belastung und Supervision.

Was Sie verlieren, sollte man ebenfalls benennen: die Nähe zu den Kindern, die Gewissheit, das Richtige getan zu haben, weil man es gesehen hat, und die Kollegialität in ihrer alten Form. Wer das nicht bedenkt, vermisst es später und weiß nicht, warum.

Die Zwischenstufe: stellvertretende Leitung

Der beste Weg, die Aufgabe kennenzulernen, ohne sie ganz zu übernehmen. Eine Stellvertretung übernimmt in der Regel einen Teil der Aufgaben, vertritt in Abwesenheit und bleibt gleichzeitig im Gruppendienst verankert.

Achten Sie darauf, dass die Aufgaben tatsächlich übertragen und beschrieben werden. Eine Stellvertretung, die nur im Urlaub der Leitung existiert, bringt weder Erfahrung noch eine andere Eingruppierung – und die Eingruppierung hängt an der übertragenen Tätigkeit, siehe TVöD SuE.

Das erste Jahr: was üblicherweise schiefgeht

Drei Muster wiederholen sich, und wer sie kennt, geht anders hinein.

Das erste ist die Reformwelle. Eine neue Leitung will zeigen, dass sie etwas kann, und ändert im ersten halben Jahr die Konzeption, den Dienstplan und die Raumaufteilung. Das Team, das die alte Leitung überstanden hat, sieht darin keine Verbesserung, sondern eine Entwertung. Die erfahrenere Reihenfolge lautet: sechs Monate nichts ändern außer dem, was gefährlich ist, in dieser Zeit mit jeder Person einzeln sprechen, und danach zwei Dinge angehen – nicht zehn.

Das zweite ist die Flucht in die Gruppe. Wenn die Verwaltung drückt und ein Konflikt ansteht, ist der Gruppendienst die angenehmere Arbeit; man wird gebraucht, man sieht ein Ergebnis, und niemand beschwert sich. Leitungen, die das über Monate tun, erledigen ihre eigentliche Arbeit abends und sind nach zwei Jahren erschöpft.

Das dritte ist die Konfliktvermeidung. Die häufigste Aufgabe, die eine neue Leitung übernimmt und nicht angeht, ist eine Person im Team, die seit Jahren als schwierig gilt und die nie jemand angesprochen hat. Das Team weiß es, wartet darauf und beurteilt die neue Leitung daran. Ein solches Gespräch ist unangenehm, führbar und der Punkt, an dem Autorität entsteht oder ausbleibt.

Die acht Fragen vor der Zusage

Sie gehören in das Gespräch mit dem Träger, nicht in das mit der scheidenden Leitung.

  • Wie viele Wochenstunden Leitungsfreistellung, und was geschieht damit bei Personalausfall?
  • Gibt es Verwaltungsunterstützung im Haus, und mit welchem Umfang?
  • Wer vertritt die Leitung, und ist diese Stellvertretung besetzt?
  • Wie ist die Personalsituation: offene Stellen, Fluktuation im letzten Jahr, Langzeitausfälle?
  • Welche Auflagen aus der Betriebserlaubnis sind offen?
  • Gibt es eine Fachberatung beim Träger, und wie oft kommt sie?
  • Welche Entscheidungen darf ich selbst treffen – Budget, Einstellungen, Dienstplan –, und welche nicht?
  • Warum hat die bisherige Leitung aufgehört?

Die letzte Frage klingt unhöflich und ist die wichtigste. Eine Stelle, die in drei Jahren dreimal neu besetzt wurde, hat ein Problem, das nicht bei den drei Personen lag.

Ein Punkt zur Arbeitszeit

Leitungen arbeiten regelmäßig mehr, als im Vertrag steht, und viele halten das für unvermeidlich. Es ist nicht rechtlos: Für Leitungen von Kindertageseinrichtungen gilt das Arbeitszeitgesetz mit seinen Höchstarbeitszeiten und Ruhezeiten in aller Regel ebenso wie für das übrige Personal; und ob Mehrarbeit vergütet oder ausgeglichen wird, richtet sich nach dem anwendbaren Regelwerk und dem Arbeitsvertrag.

Erfassen Sie deshalb Ihre Arbeitszeit von Beginn an, auch wenn niemand es verlangt. Ohne Aufzeichnungen ist eine Überlastung nicht darstellbar, und eine Verhandlung über zusätzliche Freistellung braucht Zahlen und nicht Eindrücke. Was der Arbeitsvertrag dazu regeln kann, steht unter Arbeitsvertrag beim Träger.

Ob sich der Schritt lohnt

Für die Vergütung: nur bedingt, und in kleinen Häusern weniger, als die zusätzliche Verantwortung vermuten lässt – die Systematik steht unter Vergütung der Kita-Leitung.

Für die Arbeit: erheblich, wenn Sie gestalten wollen. Eine Leitung entscheidet über Konzeption, Personalauswahl, Arbeitsklima, Raumgestaltung und darüber, wie in diesem Haus mit Kindern gesprochen wird. Das ist mehr Einfluss auf die Pädagogik, als jede einzelne Gruppe hergibt.

Und für den Berufsweg: Leitungserfahrung ist in diesem Feld die Währung. Sie öffnet Bereichsleitung, Fachberatung, Verbandsarbeit und Stellen beim Träger – die Wege stehen unter Trägerlandschaft. Welche Leitungsstellen gerade ausgeschrieben sind und was sie verlangen, zeigen das Berufsbild Kita- und Einrichtungsleitung, der Bereich Leitung, die Stellen in der Leitung und die offenen Stellenangebote insgesamt.

Wenden Sie das direkt an: Im Stellenmarkt stehen Anzeigen aus ganz Deutschland, und zu jedem Beruf finden Sie die Aufgaben und die üblichen Gehälter daneben.

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