Seit es kindheitspädagogische Studiengänge gibt, steht in diesem Feld eine Frage im Raum, die selten sauber beantwortet wird: Führt der Bachelor weiter als die Fachschule? Die kurze Antwort lautet, dass beide in dieselbe Gruppe führen, dass der Bachelor im Gruppendienst selten mehr einbringt und dass er woanders erheblich mehr öffnet. Die längere Antwort steht hier – mit den Unterschieden beim Zugang, bei den Kosten, beim Fachkraftstatus, bei der Eingruppierung und bei den Arbeitsfeldern.
Zwei Wege, ein Arbeitsplatz
Die Erzieherausbildung findet an einer Fachschule für Sozialpädagogik statt, in Bayern an einer Fachakademie, und schließt mit der staatlichen Anerkennung ab; der Aufbau steht unter Erzieherausbildung an der Fachschule.
Die Kindheitspädagogik ist ein Hochschulstudium, meist mit dem Abschluss Bachelor of Arts, mit einem Schwerpunkt auf der frühen Kindheit. Es gibt sie an Fachhochschulen und Hochschulen für angewandte Wissenschaften, teils auch berufsbegleitend oder dual. In den meisten Ländern wird zum Abschluss eine staatliche Anerkennung erteilt; die Bezeichnung lautet dann „Staatlich anerkannte Kindheitspädagogin" beziehungsweise „Staatlich anerkannter Kindheitspädagoge". Dass diese Anerkennung erteilt wird, ist nicht selbstverständlich und hängt am Studiengang und am Land – es ist die erste Frage, die man einer Hochschule stellt.
Beide Abschlüsse gelten in den Fachkraftkatalogen der Länder als pädagogische Fachkraft in Kindertageseinrichtungen. Am Arbeitsplatz in der Gruppe unterscheidet sie deshalb zunächst nichts.
Der Zugang: der erste harte Unterschied
Für die Fachschule brauchen Sie in der Regel einen mittleren Schulabschluss und dazu eine berufliche Vorbildung oder eine einschlägige Praxiszeit; die Wege unterscheiden sich je Land erheblich, siehe Länderunterschiede in der Erzieherausbildung.
Für das Studium brauchen Sie eine Hochschulzugangsberechtigung – Abitur, Fachhochschulreife oder den Zugang für beruflich Qualifizierte, den alle Länder in irgendeiner Form eröffnen. Dieser dritte Weg wird häufig übersehen: Wer eine abgeschlossene Berufsausbildung und einige Jahre Berufstätigkeit hat, kann in vielen Ländern ohne Abitur studieren, teils nach einer Eignungsprüfung oder einem Probestudium.
Für Erzieherinnen mit staatlicher Anerkennung gibt es zusätzlich Studiengänge, die vorhandene Leistungen anrechnen und die Studienzeit verkürzen. Wer diesen Weg erwägt, fragt die Hochschule vor der Einschreibung nach dem Umfang der Anrechnung – und lässt ihn sich schriftlich geben.
Dauer, Kosten und Einkommen während der Ausbildung
Die Fachschulausbildung dauert in den meisten Ländern drei Jahre einschließlich des Praxisteils. Sie kostet an öffentlichen Schulen in der Regel kein Schulgeld, bringt aber in der schulischen Form über zwei Jahre kein Einkommen; in der praxisintegrierten Form wird durchgehend vergütet, siehe PiA oder schulische Ausbildung.
Das Studium dauert je nach Hochschule sechs bis acht Semester, häufig einschließlich eines Praxissemesters oder eines integrierten Anerkennungsjahres. An staatlichen Hochschulen fallen Semesterbeiträge an, aber keine Studiengebühren; private Hochschulen verlangen Gebühren, und die sind erheblich. Ein Einkommen gibt es nur in dualen oder berufsbegleitenden Formaten.
Rechnen Sie beides über die gesamte Zeit durch, einschließlich entgangenem Einkommen. Für viele Menschen entscheidet diese Rechnung die Frage, bevor die inhaltliche überhaupt gestellt wird.
Was im Studium anders gelernt wird
Der Unterschied ist nicht „mehr" oder „weniger", sondern ein anderer Zuschnitt. Die Fachschule ist auf das Handeln in der Gruppe ausgerichtet: Didaktik, Bildungsbereiche, Beobachtung, Gestaltung von Alltag und Übergängen, Zusammenarbeit mit Eltern, eingebettet in umfangreiche Praxisanteile.
Das Studium legt mehr Gewicht auf Grundlagen und Methoden: Entwicklungspsychologie, Bildungstheorie, Forschungsmethoden, Organisation und Recht, Qualitätsentwicklung, Diversität und Inklusion. Wer danach in eine Gruppe geht, hat weniger Praxisstunden hinter sich als eine Fachschulabsolventin und mehr Handwerkszeug, um eine Konzeption zu schreiben, eine Erhebung zu lesen oder ein Verfahren zu begründen.
Beides hat seinen Preis. Berufseinsteigerinnen aus dem Studium berichten regelmäßig von einem harten ersten Jahr in der Gruppe; Fachschulabsolventinnen stoßen später an eine Grenze, wenn Konzeptionsarbeit, Fachberatung oder ein Master ansteht. Keine der beiden Lücken ist unüberbrückbar.
Die Eingruppierung: warum der Bachelor allein wenig bewirkt
Hier liegt die größte Enttäuschung, und sie beruht auf einem verbreiteten Missverständnis. Eingruppiert wird nach der auszuübenden Tätigkeit, nicht nach dem höchsten Abschluss. Wer als Fachkraft im Gruppendienst arbeitet, wird nach dem Tätigkeitsmerkmal für diese Tätigkeit eingruppiert – mit Fachschulabschluss ebenso wie mit Bachelor. Die Systematik steht unter TVöD SuE.
Der Bachelor wirkt also nicht über das Papier, sondern über die Aufgabe. Sobald Sie eine Tätigkeit übernehmen, für die ein höheres Tätigkeitsmerkmal gilt – Leitung, stellvertretende Leitung, Fachberatung, eine Aufgabe mit besonders schwierigen fachlichen Anforderungen –, ändert sich die Eingruppierung. Dass Sie für solche Aufgaben eher in Betracht kommen, ist der eigentliche Ertrag des Studiums.
Wer das vor der Einschreibung weiß, trifft eine andere Entscheidung als jemand, der einen automatischen Aufschlag erwartet. Und wer nach dem Studium in die Gruppe geht, sollte den Punkt beim Einstellungsgespräch trotzdem ansprechen: Zu verhandeln ist nicht der Betrag, sondern die Anerkennung von Vorzeiten und die Frage, welche zusätzlichen Aufgaben übertragen werden – siehe Gehalt verhandeln.
Wo das Studium tatsächlich etwas öffnet
Fünf Bereiche, in denen ein Hochschulabschluss den Unterschied macht.
- Leitung und Bereichsleitung. Viele Träger setzen bei größeren Einrichtungen ein Studium voraus oder bevorzugen es deutlich; siehe Kita-Leitung werden.
- Fachberatung und Qualitätsentwicklung. Stellen beim Träger, beim Landesjugendamt oder in Fachverbänden, die auf Konzeption, Beratung und Steuerung zielen.
- Der Master und was danach kommt. Ein Bachelor eröffnet den Zugang zu Masterstudiengängen, und darüber Wege in Forschung, Lehre und Verwaltung.
- Lehre an Fachschulen. Für die Ausbildung der nächsten Generation verlangen die Länder regelmäßig einen akademischen Abschluss, häufig einen Master.
- Der Wechsel in andere Arbeitsfelder. Frühe Hilfen, Familienbildung, Beratungsstellen, Projekte bei Trägern und Verbänden.
Für die reine Arbeit in der Gruppe brauchen Sie nichts davon – und ein erheblicher Teil der Fachkräfte will genau diese Arbeit und nichts anderes. Das ist keine geringere Entscheidung.
Drei Abschlüsse, die dauernd verwechselt werden
Ein praktischer Hinweis, der bei Bewerbungen Zeit spart. „Kindheitspädagogik", „Soziale Arbeit" und „Erziehungswissenschaft" sind drei verschiedene Dinge, und die Fachkraftkataloge der Länder behandeln sie unterschiedlich.
Die Kindheitspädagogik ist auf die frühe Kindheit zugeschnitten und in den Katalogen regelmäßig ausdrücklich genannt. Die Soziale Arbeit führt über die staatliche Anerkennung ebenfalls in die Kita und darüber hinaus in Jugendhilfe, Beratung und Verwaltung – siehe Soziale Arbeit studieren. Ein erziehungswissenschaftlicher Bachelor an einer Universität ist dagegen ein forschungsnaher Studiengang ohne automatische staatliche Anerkennung; ob er in einem Land als Fachkraft gilt, ist im Einzelfall zu klären und fällt nicht überall gleich aus.
Wer studieren will, um in der Kita zu arbeiten, prüft deshalb vor der Einschreibung zwei Punkte: Wird zu diesem Studiengang eine staatliche Anerkennung erteilt, und steht dieser Abschluss im Fachkraftkatalog des Landes, in dem ich arbeiten will? Beide Auskünfte gibt es schriftlich – bei der Hochschule und bei der für die Betriebserlaubnis zuständigen Landesbehörde.
Was im Stellenmarkt tatsächlich gesucht wird
Ein nüchterner Blick, bevor man sich für Jahre bindet. Ausgeschrieben wird in diesem Feld überwiegend die Fachkraftstelle in der Gruppe, und sie wird meist mit „pädagogische Fachkraft" oder mit der Berufsbezeichnung Erzieherin und Erzieher betitelt. Kindheitspädagogische Abschlüsse werden in diesen Anzeigen fast immer mitgenannt, aber selten allein verlangt – was die oben beschriebene Lage bestätigt: Für den Gruppendienst sind beide Wege gleichwertig.
Anders sieht es bei Leitungsstellen, Fachberatungen und Projektstellen aus. Dort taucht der akademische Abschluss regelmäßig als Voraussetzung oder als bevorzugte Qualifikation auf, und dort schlägt er sich auch in der Vergütung nieder. Wer eine Orientierung über die Bandbreite sucht, findet sie in den Gehaltsangaben zum Beruf Erzieherin und Erzieher – mit dem Vorbehalt, dass die Spanne innerhalb desselben Abschlusses vor allem von Träger, Tarifbindung und übertragener Aufgabe abhängt und nicht vom Papier.
Wie eine Ausschreibung zu lesen ist und welche Formulierungen etwas bedeuten, steht unter Stellenanzeige entschlüsseln.
Wie Sie entscheiden
Drei Fragen genügen. Erstens: Kann ich die Zeit ohne Einkommen überbrücken, und habe ich den Hochschulzugang? Wenn nein, ist die Fachschule der Weg – und sie ist kein Ersatzweg, sondern die Ausbildung, die dieses Feld trägt. Zweitens: Will ich langfristig in der Gruppe arbeiten oder darüber hinaus? Wer es nicht weiß, verliert mit der Fachschule weniger, weil ein Studium später anrechenbar bleibt. Drittens: Welche Wege gibt es bei den Trägern in meiner Region überhaupt?
Die letzte Frage beantwortet der Stellenmarkt: Die offenen Stellenangebote zeigen, welche Qualifikationen hier tatsächlich gesucht werden, die Stellen in der Kindheitspädagogik den engeren Ausschnitt. Was es über den Abschluss hinaus an Qualifizierung gibt, steht unter Weiterbildungen nach der Ausbildung.
Wenden Sie das direkt an: Im Stellenmarkt stehen Anzeigen aus ganz Deutschland, und zu jedem Beruf finden Sie die Aufgaben und die üblichen Gehälter daneben.